Der Virus geht um.
Einmal ist das wörtlich zu verstehen: Zur Empörung aller Beteiligten regnete es die ganze letzte Woche. Erkältungen grassieren, an jeder Ecke läuft man Gefahr, sich eine neue Infektion zu holen (wie aufm Kiez) – auch ich wurde nicht verschont von der Epidemie und gammelte dementsprechend nicht selten krank in meinem Zimmer vor mich hin. Zum Amüsement eines schwedischen Mädels, welches Anton letzte Woche besuchte, spricht man allgemein vom „Cuques-Virus“; der Laut „kük“ ist im Schwedischen offenkundig ein Ausdruck für Penis.
Arbeit, Arbeit.
Tja, ansonsten beginnt nach dieser Woche (offizielle Ferienzeit) die wohl stressigste Phase des Aufenthaltes hier. Grund dafür ist neben einer nicht zu unterschätzenden Anzahl an Vorlesungen einerseits der Start der „Travaux Dirigés“, also theoretisch so eine Art Fallbesprechung. Derer gibt es zwei, und mit ihnen kommen nervige Hausaufgaben und Referate.
Der Faktor Moot Court.
Andererseits, und seines Zeichens so wichtig, dass er eine eigene Überschrift verdient, startete letzte Woche mein Moot Court – also eine fiktive Gerichtsverhandlung (die es in den nächsten Monaten vorzubereiten gilt) unter realistischen Bedingungen. Klingt ganz nett so, ist aber in der Tat ein echt übler Haufen Arbeit. Der Fall ist noch nicht draußen, es wird aber um völkerrechtliche Konsequenzen des diesjährigen Konfliktes Georgien vs. Russland, Südossetien und Abchasien gehen. Da Vorlesungen im Völkerrecht gemeinhin recht abstrakt sind, ist die Gelegenheit nicht unwillkommen, es mal konkret auf einen Fall anzuwenden.
Weitere Ausflüge.
Jo, ansonsten waren in der letzten Zeit schon gelegentliche Ausflüge drin. Einmal waren wir beim Generalkonsul in Marseille eingeladen, der zu deutschem Bier und französischer Quiche ein bisschen über die Beziehungen beider Staaten und das Diplomaten-Dasein im Allgemeinen plauderte.
Außerdem ist man nach wie vor dabei, gewisse Erkundungen in der Gegend zu unternehmen. Zum Einen ist hier die Architektur bemerkenswert: konsequent wurden Kichen/Festungen und die mit ihnen entstehenden Dörfer wahrscheinlich zu Verteidigungszwecken einfach auf Berge und Hügel drauf gesetzt. Wie Gondor also, nur ohne die nervigen Nazghuls. Sehr nett alles in allem.


Ja, weiter sind wir vorgestoßen nach Rousillon, in den Rand eines Gebietes, welches als der „Wilde Westen Frankreichs“ bezeichnet wird, weil die rötlichen Steinformationen an Canyons in den USA erinnern. Das war echt mal ganz nett, dementsprechend wird die Region übermorgen wohl mal weiter erkundet.


Alles in allem wohl nicht soo die brandheißen News, aber ich kann auf jeden Fall verkünden, dass die ganze Sache recht rund läuft.
Lasst gern von euch hören, bis bald.
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