Ich wollt mal verkünden, dass sich hier die Lage etwas entspannt hat. Der Kumpel hängt immer noch in der Klinik rum, macht aber auf jeden Fall Fortschritte. Am Anfang haben ihn die Medikamente schon ein bisschen zum Zombie gemacht, mittlerweile wurde aber die Dosis gesenkt, er darf die Klinik regelmäßig verlassen - vielleicht kann er Heilig Abend sogar bei seiner Familie verbringen. Momentan sieht man sich jedenfalls täglich, nicht selten außerhalb der Klinik. Alles wird gut.
Seit heut morgen (s.u.) sind bei mir auch erstmal die universitären Verpflichtungen geschafft. Klausuren folgen im Januar, aber zumindest heute wird sich mal nach allen Regeln der Kunst ausgechillt.
Was geht'n?
Ja, ich müsste mal auf den Laufenden Gebracht werden: Geht Heilig Abend wieder so ne Bowy-Joe-Sache? Das wär doch mal wieder vergnüglich.
Maître, vous avez la parole.
« Bonjour Monsieur le président, madame et messieurs les membres de la Cour. Je m'appelle Julien Reinhard et je suis ici pour vous démontrer... ». Die Krawatte drückt ein wenig. Überhaupt ist die Hälfte meiner Kleidung geliehen. Ich komme mir ein bischen vor, als würde ich gerade Staubsauger verkaufen müssen. Tatsächlich erkläre ich aber, wie Abchasien und Südossetien im August 2008 von ihrem aus dem Selbstbestimmungsrecht der Völker hervorgehenden Recht auf Sezession Gebrauch gemacht haben. Im Namen des Friedens und der internationalen Stabilität und so.
Und ich muss sagen: das macht echt Spaß! Zugeben, es grauste mir ein bischen vor dem Moment, aber wenn man erstmal dabei ist, dann laufen solche Sachen doch meist ganz rund. Plädieren jedenfalls ist geschafft und ich bin einerseits glücklich, ne ganz gute Nummer auf's Parkett gelegt zu haben, und es andererseits hinter mich gebracht zu haben.
Also, in dem Sinne: für einige, bis Heilig Abend und so! Für andere, bis bald!
Dienstag, 16. Dezember 2008
Donnerstag, 4. Dezember 2008
Bad news.
Guten Tag. Ich werd mal die Nouvellen der letzten Wochen zusammenfassen. Alles in allem, um das Ergebnis mal vorwegzunehmen, könnte es besser laufen. Persönlich erstickt man gerade in Arbeit, diese Woche waren vorläufige Plädoyers zu halten, morgen ist eine Klausur zu schreiben (für die noch nichts getan wurde) und eine Hausarbeit abzugeben. Ziemlich ätzend, wenn sich das so aufsummiert.
Schwerer auf's Gemüt fällt die Tatsache, dass wir einen meiner besten Kumpels letztes Wochenende in die Notaufnahme bringen mussten, weil der unter massiven Psychosen leidet. Setzte alles recht plötzlich ein, zwei Wochen wirkte er ein bisschen gestresst, aber das traf freilich auch auf mich zu. Letzten Freitag holt er mich dann aus dem Schlaf und ich fahre ihn zu einer befreundeten Familie in die Stadt, Ängste bringen ihn im Wohnheim um den Schlaf. Er redet davon, irgendetwas herausfinden zu müssen und drückt mir einen Zettelstapel mit irritierendem bis verstörendem Wirrwarr in die Hand - den dürfte ich mit Freunden diskutieren, aber keinesfalls das Handy oder Internet zur Kommunikation nutzen. Nachdem sich eine ähnliche Begebenheit Samstag Nacht wiederholt, fahren wir ihn in die Notaufnahme. Als wir dort alles geregelt haben, ist es neun Uhr morgens und ich verspüre ein gewisses Bedürfnis, gleich dort zu bleiben.
Mittlerweile wurde er in eine psychiatrische Klinik verlegt. Normalerweise schlägt man die Zeit derartiger Aufenthalte mit Lesen tot. Die Tatsache, dass er alle Medien - Literatur, Musik, Film - mit denen er konfrontiert ist, sofort miteinander verknüpft, wahlweise in unterschiedliche Sprachen übersetzt und in seinen Wahn einer globalen Verschwörungstheorie einspinnt, macht den Aufenthalt dort für ihn nicht gerade unterhaltsamer. Die Tatsache, dass der Herr Literaur studiert, führt zu einem gewissen Konflikt mit der ersten Tatsache.
Die Sache geht natürlich auch an mir selbst nicht spurlos vorbei. Die letzte Woche ist echt das Übelste, was mir seit langem passiert ist und das Einzige, was mich aufbaut, ist die Aussicht, dass sie vorbeigeht.
Schwerer auf's Gemüt fällt die Tatsache, dass wir einen meiner besten Kumpels letztes Wochenende in die Notaufnahme bringen mussten, weil der unter massiven Psychosen leidet. Setzte alles recht plötzlich ein, zwei Wochen wirkte er ein bisschen gestresst, aber das traf freilich auch auf mich zu. Letzten Freitag holt er mich dann aus dem Schlaf und ich fahre ihn zu einer befreundeten Familie in die Stadt, Ängste bringen ihn im Wohnheim um den Schlaf. Er redet davon, irgendetwas herausfinden zu müssen und drückt mir einen Zettelstapel mit irritierendem bis verstörendem Wirrwarr in die Hand - den dürfte ich mit Freunden diskutieren, aber keinesfalls das Handy oder Internet zur Kommunikation nutzen. Nachdem sich eine ähnliche Begebenheit Samstag Nacht wiederholt, fahren wir ihn in die Notaufnahme. Als wir dort alles geregelt haben, ist es neun Uhr morgens und ich verspüre ein gewisses Bedürfnis, gleich dort zu bleiben.
Mittlerweile wurde er in eine psychiatrische Klinik verlegt. Normalerweise schlägt man die Zeit derartiger Aufenthalte mit Lesen tot. Die Tatsache, dass er alle Medien - Literatur, Musik, Film - mit denen er konfrontiert ist, sofort miteinander verknüpft, wahlweise in unterschiedliche Sprachen übersetzt und in seinen Wahn einer globalen Verschwörungstheorie einspinnt, macht den Aufenthalt dort für ihn nicht gerade unterhaltsamer. Die Tatsache, dass der Herr Literaur studiert, führt zu einem gewissen Konflikt mit der ersten Tatsache.
Die Sache geht natürlich auch an mir selbst nicht spurlos vorbei. Die letzte Woche ist echt das Übelste, was mir seit langem passiert ist und das Einzige, was mich aufbaut, ist die Aussicht, dass sie vorbeigeht.
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