Sonntag, 26. April 2009

Lebenszeichen

Hey, zugegeben, es ist mal wieder an der Zeit, hier ein paar Zeilen von sich zu geben. Das sag ich mir etwa seit zwei Monaten. Sorry dafür ;)


Résumé

Ich starte mal mit einer kurzen Zusammenfassung des bisherigen zweiten Semesters. Dieses begann recht angenehm, mit unwichtigen und gechillten Lehrveranstaltungen, gutem Wetter und so. Eine Ferienwoche wurde genutzt, um die Côte d'Azur, namentlich Nizza (dort war gerade Karneval), Saint Tropez und Cannes auszuchecken. Ist im Grunde genommen alles recht satt da, insbesondere in Hinblick auf die Natur und das – na ja – azurblaue Wasser. Stören tut die Tatsache, dass in der Gegend so ziemlich ausschließlich neureiche Snobs rumkrebsen und den Tag damit verbringen, aberwitzig überteuerte Gegenstände einzukaufen und Statussymbole zu vergleichen.

Zurück in Aix hatte ich dann die Freude, einige Besucher zu begrüßen, ergo zu feiern bis die Schwarte kracht. So nett das auch war (vielen Dank fürs Kommen nochmal!!) ist die Meute nicht gerade zu früh wieder abgezogen, weil das Semester kriechend stressiger und stressiger wurde . Dementsprechend hing man die meiste Zeit in seinem Zimmer rum, ärgerte sich über die schlecht ausgerüstete Universitätsbibliothek und ernährte sich von Kaffee.

Ein einziger Lichtblick und eine nette Anekdote war, dass unser italienischer Nachbar, Mattheus, gute Kontakte zu dem Präsidenten des Regierungsrates der Region (die so ziemlich den ganzen Südosten Frankreichs umfasst, vorher war der Typ Justizminister Frankreichs) pflegt und uns zu einer Einladung zu einem Stierkampf in Arles mitnahm. Arles (man berichtete) wurde extrem von der spanischen Kultur beeinflusst, allerdings konnte mir keiner der Einheimischen eine befriedigende Erklärung dafür liefern. Tja, dann hatten wir die zweifelhafte Freude zu sehen, wie sechs mindestens 500 kg schwere Stiere von drei Typen in tuckigen Kostümen hingerichtet wurden. Das läuft in etwa so: der Torrero tanzt ein bisschen um den Stier herum, dann kommt sein Team (vielleicht 10 Leute insgesamt) und einer von zwei Reitern bohrt mit einem Speer ein Loch in den Rücken des Viechs. In dieses Loch steckt der Torrero dann etwa sechs bunte Stöpsel mit Widerhaken, tanzt noch ein bisschen weiter um den Stier, nimmt schließlich ein Schwert und steckt es – so todesstoßmäßig halt – in das vorgefertigte Loch. Das funktioniert nicht immer, meistens verteilt der Stier noch einige Liter Blut auf dem Boden, bis ihm das zweite oder dritte Schwert schließlich den Rest gibt. Perfektes Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier: Ersterer zieht seine Show ab, letzteres stirbt. Macht der Torrero seinen Job besonders gut, winkt das Publikum mit weißen Handtüchern und der Schiedsrichter entscheidet, ob er dem Stierkämpfer nicht vielleicht die Ehre gewährt, sich ein oder gar zwei Ohren des Stieres abzuschneiden.


Barcelona und die Ruhe vor dem Sturm

Aktuell hänge ich anlässlich einer dringend notwendig gewesenen Ferienwoche in Barcelona rum. Wir haben uns in einer Herberge eingefunden, die von einem jüdischen Typen geleitet wird, der müde vom Geldmachen in Israel etwa vor einem Monat hier gestrandet ist und sein Ding durchzieht. Ist alles noch etwas vorläufig und inoffiziell, aber dennoch schon ne ganz satte Kommune. Zu erwähnen ist insbesondere etwa ein spanischer Mitvierziger, der viele Dinge so gut wie nie tut: zum Beispiel den Fuß vor dir Tür setzen, oder nüchtern sein. Dafür tapst er in Hochform nackt und verwirrt durch die Küche oder verwandelt das Bad mitten in der Nacht in einen See. Die Stadt an sich ist echt der Hammer. Sie schläft nie, irgendwo geht immer irgendwas. Es gibt einen Strand, massig Kultur, enorm geile Gebäude. Alles, was das Herz begehrt ist überall billig vorhanden – kurzum, hin da.

Na ja, das Leben hier geht noch bis Dienstag so weiter, dann beginnt in Aix meine Klausurvorbereitung. Also noch nen Monat ackern, dann bis August chillen, hoffe ich.


Jo, das muss erstmal reichen von meiner Seite. Fotos werden nachgereicht, bis bald.


Aktualisierung: Dunkle Seiten Barcelonas


Die Musik in dem Club gefällt mir schon seit mindestens einer halben Stunde nicht mehr. Die Motivation, zu spielen, als wäre das Gegenteil der Fall, ist vergangen. Ich gehe vor den anderen allein zurück in die Herberge; auf dem Weg gleitet meine Hand in die Hosentasche, in der sich etwa vierzig Euro befinden - nicht mein Portemonnaie, denn das wurde mir kürzlich gestohlen. Ich werde von ca. sieben Tunten [politisch korrekter Term in gegenwärtigem Geisteszustand nicht vorhanden] abgefangen. Dinge gehen schnell. Drei viel zu starke Hände an meinem Penis - die meinigen versuchen reflexartig sie abzuwehren, schließlich lassen die Typen mich in Ruhe. Zwei Meter später stelle ich fest, dass die vierzig Euro aus meiner Tasche verschwunden sind. "Verschwunden" ist vielleicht nicht der korrekte Term, denn ich könnte einen sehr kleinen Radius beschreiben, in dem sie sich befinden - dennoch sehe ich schnell ein, dass ich die Kohle nicht mehr wiedersehen werde.

Die Gruppe zersplittert sich. Ich folge dem einen Teil. Mein Appell an ihren guten Willen findet weiter entfernt lediglich bei einer viel zu jungen afrikanischen Prostituierten Gehör. Hübsch wie sie ist, schaut sie mich aus tiefen Augen an und versichert mir auf englisch ihr Mitleid. Ich glaube ihr. Und obwohl sie nicht ein einziges Mal über sich selbst redet, vermögen es ihre wenigen Worte, mein eigenes Leid innerhalb weniger Augenblicke zu relativieren.

Mittwoch, 7. Januar 2009

SCHNEEEEE

Schnee. Man kennt ihn aus Norddeutschland vor allem in Form von braunem Matsch, der an Autoreifen klebt. Man weiß, dass er Landschaften in sympathisches Weiß färbt, im dunklen Winter sehr angenehm. Schnee ist mein Freund.

Somit nahm ich die vielleicht 8 cm, die von dem Zeug hier heute morgen rumlagen, tendenziell als gutes Omen wahr. Falsch: In Südfrankreich bricht bei 8 cm Schnee nämlich bedauerlicherweise die Infrastruktur zusammen. Nun kann ich ohne warmes Wasser und Heizung zumindest vorläufig auskommen. Richtig scheiße ist aber, dass die Klausuren (vorerst nur die für heute) abgesagt wurden und verschoben werden. Das ist an sich nicht unangenehm, steht aber in gewissen Konflikt zu meinen jüngst abgeschlossenen Reiseplänen (vorgestern wurde eine Reise nach Deutschland vom 10.-23.01.). Leute, die in der Zeit bereits mit mir rechneten, sollten dies also besser nicht mehr tun. Es kann sein, dass die Nachholtermine auf die Zeit nach der Buchung fallen, andernfalls muss ich die Reise stornieren.

Aktualisierung: Für diese Woche alle Klausuren abgesagt. Tequila kaltgestelt. Schneemann-Konstruktionspläne im vollen Gange. Nächste Woche keine Nachholtermine, die Woche darauf ist offizielle Ferienzeit. Die ganze Sache könnte sich als ausgesprochen positiv erweisen.

Aktualisierung #2: Es ist seit etwa einer halben Stunde klar, dass die Nachholtermine für die Klausuren nicht vor dem 26.01 angesiedelt werden. Der Flughafen Marseille hat gestern Nachmittag seine Tätigkeit wieder aufgenommen. Das heißt, ich werd nach Deutschland kommen können =)

Dienstag, 6. Januar 2009

Die Woche des Schreckens™

Boah, ist das anstrengend. Ein kurzer Zwischenbericht. Nach der Beendigung der Klausur des gestrigen Montags, gönnt man sich ca. eine Stunde Pause. Man beginnt, sich auf eine der Klausuren des Folgetags vorzubereiten, um festzustellen, dass der Stoff allgemein unterschätzt wurde. Man lernt in die Nacht hinein, steht nach etwa vier Stunden Schlaf um 5 Uhr auf, um noch weitere 2 Stunden lernen zu können. Kopfweh, Kreislaufprobleme, Fühstück: Kaffee. Klausur von 8 bis 10, nervöser Blick auf die Uhr: Es bleiben 4,5 Stunden, um die Geschichte der abendländischen Staatsphilosophie zusammenzufassen und auswendig zu lernen. Jo, das nimmt man dann mal in Angriff, drückt sich weiter Kaffee und ein Sandwich rein, schreibt die Klausur. Fertig geschrieben, Glückshormone, abermals muss das Bedürfnis unterdrückt werden, sich ein kühles Bier zu schnappen und den Tag locker ausklingen zu lassen. Pause bis 17:00 Uhr, morgen warten die nächsten beiden Klausuren.

Fürchterlich. Man unterteilt den Tag eigentlich nur noch in unterschiedliche Lernphasen. Irrsinn eigentlich, dass der Mensch Schlaf- und Ernährungsmangel einfach so auf sich nimmt, nur um möglicherweise in einer absehbaren Zeit mit einem profanen Stück Papier entlohnt zu werden. Man fragt sich, ob man nicht doch glücklicher wäre, wenn man den Tag damit verbringen würde, sich einfach mal ein leckeres Tier zu jagen (für die Hippies: nen geiles Soja-Tofu herzustellen) und es abends an einem Feuer zu verspeisen.

Aber gut: Der momentane Zustand ist ja nicht auf Dauer ausgelegt und nächstes Semester wird wesentlich entspannter. Am heutigen Dienstag wurden bereits 37,5% der Klausuren bewältigt, gemessen in Stunden sogar 40%. Morgen abend 62,5 % bzw. 70 (!) %. Alles wird gut.

Dienstag, 16. Dezember 2008

Ça va.

Ich wollt mal verkünden, dass sich hier die Lage etwas entspannt hat. Der Kumpel hängt immer noch in der Klinik rum, macht aber auf jeden Fall Fortschritte. Am Anfang haben ihn die Medikamente schon ein bisschen zum Zombie gemacht, mittlerweile wurde aber die Dosis gesenkt, er darf die Klinik regelmäßig verlassen - vielleicht kann er Heilig Abend sogar bei seiner Familie verbringen. Momentan sieht man sich jedenfalls täglich, nicht selten außerhalb der Klinik. Alles wird gut.

Seit heut morgen (s.u.) sind bei mir auch erstmal die universitären Verpflichtungen geschafft. Klausuren folgen im Januar, aber zumindest heute wird sich mal nach allen Regeln der Kunst ausgechillt.


Was geht'n?

Ja, ich müsste mal auf den Laufenden Gebracht werden: Geht Heilig Abend wieder so ne Bowy-Joe-Sache? Das wär doch mal wieder vergnüglich.


Maître, vous avez la parole.

« Bonjour Monsieur le président, madame et messieurs les membres de la Cour. Je m'appelle Julien Reinhard et je suis ici pour vous démontrer... ». Die Krawatte drückt ein wenig. Überhaupt ist die Hälfte meiner Kleidung geliehen. Ich komme mir ein bischen vor, als würde ich gerade Staubsauger verkaufen müssen. Tatsächlich erkläre ich aber, wie Abchasien und Südossetien im August 2008 von ihrem aus dem Selbstbestimmungsrecht der Völker hervorgehenden Recht auf Sezession Gebrauch gemacht haben. Im Namen des Friedens und der internationalen Stabilität und so.
Und ich muss sagen: das macht echt Spaß! Zugeben, es grauste mir ein bischen vor dem Moment, aber wenn man erstmal dabei ist, dann laufen solche Sachen doch meist ganz rund. Plädieren jedenfalls ist geschafft und ich bin einerseits glücklich, ne ganz gute Nummer auf's Parkett gelegt zu haben, und es andererseits hinter mich gebracht zu haben.

Also, in dem Sinne: für einige, bis Heilig Abend und so! Für andere, bis bald!

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Bad news.

Guten Tag. Ich werd mal die Nouvellen der letzten Wochen zusammenfassen. Alles in allem, um das Ergebnis mal vorwegzunehmen, könnte es besser laufen. Persönlich erstickt man gerade in Arbeit, diese Woche waren vorläufige Plädoyers zu halten, morgen ist eine Klausur zu schreiben (für die noch nichts getan wurde) und eine Hausarbeit abzugeben. Ziemlich ätzend, wenn sich das so aufsummiert.

Schwerer auf's Gemüt fällt die Tatsache, dass wir einen meiner besten Kumpels letztes Wochenende in die Notaufnahme bringen mussten, weil der unter massiven Psychosen leidet. Setzte alles recht plötzlich ein, zwei Wochen wirkte er ein bisschen gestresst, aber das traf freilich auch auf mich zu. Letzten Freitag holt er mich dann aus dem Schlaf und ich fahre ihn zu einer befreundeten Familie in die Stadt, Ängste bringen ihn im Wohnheim um den Schlaf. Er redet davon, irgendetwas herausfinden zu müssen und drückt mir einen Zettelstapel mit irritierendem bis verstörendem Wirrwarr in die Hand - den dürfte ich mit Freunden diskutieren, aber keinesfalls das Handy oder Internet zur Kommunikation nutzen. Nachdem sich eine ähnliche Begebenheit Samstag Nacht wiederholt, fahren wir ihn in die Notaufnahme. Als wir dort alles geregelt haben, ist es neun Uhr morgens und ich verspüre ein gewisses Bedürfnis, gleich dort zu bleiben.

Mittlerweile wurde er in eine psychiatrische Klinik verlegt. Normalerweise schlägt man die Zeit derartiger Aufenthalte mit Lesen tot. Die Tatsache, dass er alle Medien - Literatur, Musik, Film - mit denen er konfrontiert ist, sofort miteinander verknüpft, wahlweise in unterschiedliche Sprachen übersetzt und in seinen Wahn einer globalen Verschwörungstheorie einspinnt, macht den Aufenthalt dort für ihn nicht gerade unterhaltsamer. Die Tatsache, dass der Herr Literaur studiert, führt zu einem gewissen Konflikt mit der ersten Tatsache.

Die Sache geht natürlich auch an mir selbst nicht spurlos vorbei. Die letzte Woche ist echt das Übelste, was mir seit langem passiert ist und das Einzige, was mich aufbaut, ist die Aussicht, dass sie vorbeigeht.

Montag, 3. November 2008

Mein Wochenende.

Eines Morgens, es ist ein Samstag, mache ich mich guten Mutes auf zu einem kleinen Spaziergang in einen nahe gelegenen Park, daran denkend, wie wichtig gelegentliche Rekreation nach einer anstrengenden Woche für meine bekanntermaßen labile Psyche ist. Einige Sonnenstrahlen bahnen sich den Weg durch den zuletzt wolkenverhangenen Himmel, harmonisch zwitschern die verbliebenen Vögel. Und so. Doch irgendetwas ist anders als sonst.

...hmmm.

Richtig: da wo ich in den letzten Tagen mein Auto zu parken pflegte ist, nun ja, nichts (außer eben einer Parklücke, um dies präziserweise anzumerken).

Ratloses, ungläubiges Umschauen, verzweifeltes Durchforsten der Erinnerung. Greifbar nah die Situation, in der Professor von Mangoldt, seines Zeichens Organisator dieses Austausches, in Hinblick auf die Kriminalität hierzulande davon abriet, hier ein -noch dazu deutsches- Auto stehen zu lassen.

Ärgerlich. Also die zwei/drei stärksten Sinne zusammengesammelt, Laurent, Mitlieblingsnachbar aus La Réunion, Freund und stets zuverlässiger Ortskundiger, nach dem Weg zur Gendarmerie gefragt, rauf auf's Fahrrad und dem desinteressierten Beamten hinter dem Panzerglas meine Leiden vorgejault. Ein gelangweilter Telefonanruf, voilà: abgeschleppt. Die Dreckigen.

Zurück auf's Fahrrad und ab in die Heide. Hochverdächtigerweise können mir die einzigen beiden Passanten, die ich nach dem Weg frage, übertrieben präzise den Weg zur so genannten Kfz-Verwahrungsstelle beschreiben - selbstverständlich wittert man da eine Verschwörung, ich meine, wer weiß solche Dinge schon? Angekommen, geklingelt, automatisierter Zaun, der sich hinter mir schließt. Hier kommt keiner mehr raus. Jetzt bloß nicht in Ungnade fallen.
Da sitzt er schließlich selbstzufrieden auf seinem Sessel, der Missetäter, ebenfalls hinter Panzerglas - besser für ihn, denk ich mir. Er macht mir klar, dass andere Autos wegen mir nicht ausparken konnten, doch es kommt mir merkwürdig vor, dass denen das erst nach etwa einer Woche auffällt. Fünfunddreißig Euro ist der reguläre Tarif, aber da mein Auto in Deutschland angemeldet ist, macht man heute mal achtundneunzig draus. Ich wittere die wahre Motivation hinter der Geschichte, doch ich bleibe ruhig. Der Staatsstreich muss warten. Vorerst.

Mittwoch, 29. Oktober 2008

Extrablatt.

Auf Nachfrage Ulf B.'s gibt’s eine Kurzinfo zu kulturellen Disparitäten zwischen Franzosen und Deutschen - und zu anderen Dingen, wie ich im Nachhinein feststellen muss.

Tatsächlich stechen einem diese nicht sofort ins Auge, es gibt lediglich gewisse Kleinigkeiten. Einige unsortierte Fakten: Franzosen kiffen deutlich mehr als der durchschnittliche Deutsche (nicht Wenige in jeder Vorlesungspause, Piece, "marokkanisch", d.h. mit einem Teil der Zigarette als Filter), jeder begrüßt jeden mit einem Küsschen (dafür bin ich eigentlich gar nicht zu haben, aber man fügt sich natürlich brav) und gemeinhin wird die Existenz von Schwazbrot geleugnet. Französische Küche im Allgemeinen: spitzenmäßig, kein Geheimnis. Kunst und Kultur: geht ab, hier in der Gegend haben neben den Römern unter anderem Impressionismus-Superstars wie Cézanne und van Gogh gewütet. Außerdem gibts in der Gegend hier Kolibris (na ja, jetzt wahrscheinlich nicht mehr, weil wie gesagt der Herbst auch Südfrankreich nicht verschont). Nicht unüblich oder gar unhöflich ist es weiter, etwa in einem Gespräch in der Disko klar die Absicht zu äußern, mit jemandem im Laufe des Abends den Geschlechtsakt vollziehen zu wollen.

Dass, was kritische Stimmen über den deutschen Ordnungssinn sagen, nämlich dass er vollkommen übertrieben ist und jede abstrakt-generelle Regelung immer und ohne Rücksicht auf den aktuellen Kontext nur ihrer selbst wegen angewandt wird, bestätigt sich auch aus dieser Perspektive deutlich. Menschen, die irgendeine Form von Autorität haben, sind tatsächlich logischen Argumenten zugänglich (je nach Alter reicht auch schonmal ein „Sei-mal-cool“), Autos stehen tagelang in irgendwelchen Halteverboten (etwa Verkehrsinseln sind hochfrequentiert). Auf der Schattenseite: Dinge funktionieren häufig einfach nicht, brauchen lange und niemand fühlt sich verantwortlich. So modert zum Beispiel auf unserem Flur seit Tagen eine übel riechende, braune Flüssigkeit aus der Wand in das Zimmer eines vermutlich verreisten Studenten. Das haben wir der Verwaltung und einem anwesenden Mechaniker erzählt, unsere Befürchtungen wurden aber jeweils nur mit einem Achselzucken quittiert. Ein anderes Beispiel findet sich in der Einstellung der Post, die Bewohnern unseres Heimes nicht nur keine Pakete zustellt, sondern ihnen auch nicht mitteilt, wenn irgendwelche Pakete angekommen sind.
Tja, ich fürchte man muss sich entscheiden: entweder alles funktioniert perfekt und ungechillt oder es funktioniert nicht alles, dafür schiebt die Welt ne ruhige Kugel. Ich denke, ihr wisst, auf wessen Seite ich stehe.