Auf Nachfrage Ulf B.'s gibt’s eine Kurzinfo zu kulturellen Disparitäten zwischen Franzosen und Deutschen - und zu anderen Dingen, wie ich im Nachhinein feststellen muss.
Tatsächlich stechen einem diese nicht sofort ins Auge, es gibt lediglich gewisse Kleinigkeiten. Einige unsortierte Fakten: Franzosen kiffen deutlich mehr als der durchschnittliche Deutsche (nicht Wenige in jeder Vorlesungspause, Piece, "marokkanisch", d.h. mit einem Teil der Zigarette als Filter), jeder begrüßt jeden mit einem Küsschen (dafür bin ich eigentlich gar nicht zu haben, aber man fügt sich natürlich brav) und gemeinhin wird die Existenz von Schwazbrot geleugnet. Französische Küche im Allgemeinen: spitzenmäßig, kein Geheimnis. Kunst und Kultur: geht ab, hier in der Gegend haben neben den Römern unter anderem Impressionismus-Superstars wie Cézanne und van Gogh gewütet. Außerdem gibts in der Gegend hier Kolibris (na ja, jetzt wahrscheinlich nicht mehr, weil wie gesagt der Herbst auch Südfrankreich nicht verschont). Nicht unüblich oder gar unhöflich ist es weiter, etwa in einem Gespräch in der Disko klar die Absicht zu äußern, mit jemandem im Laufe des Abends den Geschlechtsakt vollziehen zu wollen.
Dass, was kritische Stimmen über den deutschen Ordnungssinn sagen, nämlich dass er vollkommen übertrieben ist und jede abstrakt-generelle Regelung immer und ohne Rücksicht auf den aktuellen Kontext nur ihrer selbst wegen angewandt wird, bestätigt sich auch aus dieser Perspektive deutlich. Menschen, die irgendeine Form von Autorität haben, sind tatsächlich logischen Argumenten zugänglich (je nach Alter reicht auch schonmal ein „Sei-mal-cool“), Autos stehen tagelang in irgendwelchen Halteverboten (etwa Verkehrsinseln sind hochfrequentiert). Auf der Schattenseite: Dinge funktionieren häufig einfach nicht, brauchen lange und niemand fühlt sich verantwortlich. So modert zum Beispiel auf unserem Flur seit Tagen eine übel riechende, braune Flüssigkeit aus der Wand in das Zimmer eines vermutlich verreisten Studenten. Das haben wir der Verwaltung und einem anwesenden Mechaniker erzählt, unsere Befürchtungen wurden aber jeweils nur mit einem Achselzucken quittiert. Ein anderes Beispiel findet sich in der Einstellung der Post, die Bewohnern unseres Heimes nicht nur keine Pakete zustellt, sondern ihnen auch nicht mitteilt, wenn irgendwelche Pakete angekommen sind.
Tja, ich fürchte man muss sich entscheiden: entweder alles funktioniert perfekt und ungechillt oder es funktioniert nicht alles, dafür schiebt die Welt ne ruhige Kugel. Ich denke, ihr wisst, auf wessen Seite ich stehe.
Mittwoch, 29. Oktober 2008
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1 Kommentar:
Hahaha! Du dreckiger Rastafari, endlich musst du deine eigene Medizin fressen ;).
Nee nee, hoffentlich chillst du noch ausreichend da unten/drüben. Juristen sind ja dafür bekannt das irgendwann im Laufe des Prozesses zu vergessen. Blog auch schön weiter, ist angenehm farbenfroh geschrieben.
Und dass du ja nicht die Syphilis mit nach Hause bringst!
Der Dennis
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