Ich wollt mal verkünden, dass sich hier die Lage etwas entspannt hat. Der Kumpel hängt immer noch in der Klinik rum, macht aber auf jeden Fall Fortschritte. Am Anfang haben ihn die Medikamente schon ein bisschen zum Zombie gemacht, mittlerweile wurde aber die Dosis gesenkt, er darf die Klinik regelmäßig verlassen - vielleicht kann er Heilig Abend sogar bei seiner Familie verbringen. Momentan sieht man sich jedenfalls täglich, nicht selten außerhalb der Klinik. Alles wird gut.
Seit heut morgen (s.u.) sind bei mir auch erstmal die universitären Verpflichtungen geschafft. Klausuren folgen im Januar, aber zumindest heute wird sich mal nach allen Regeln der Kunst ausgechillt.
Was geht'n?
Ja, ich müsste mal auf den Laufenden Gebracht werden: Geht Heilig Abend wieder so ne Bowy-Joe-Sache? Das wär doch mal wieder vergnüglich.
Maître, vous avez la parole.
« Bonjour Monsieur le président, madame et messieurs les membres de la Cour. Je m'appelle Julien Reinhard et je suis ici pour vous démontrer... ». Die Krawatte drückt ein wenig. Überhaupt ist die Hälfte meiner Kleidung geliehen. Ich komme mir ein bischen vor, als würde ich gerade Staubsauger verkaufen müssen. Tatsächlich erkläre ich aber, wie Abchasien und Südossetien im August 2008 von ihrem aus dem Selbstbestimmungsrecht der Völker hervorgehenden Recht auf Sezession Gebrauch gemacht haben. Im Namen des Friedens und der internationalen Stabilität und so.
Und ich muss sagen: das macht echt Spaß! Zugeben, es grauste mir ein bischen vor dem Moment, aber wenn man erstmal dabei ist, dann laufen solche Sachen doch meist ganz rund. Plädieren jedenfalls ist geschafft und ich bin einerseits glücklich, ne ganz gute Nummer auf's Parkett gelegt zu haben, und es andererseits hinter mich gebracht zu haben.
Also, in dem Sinne: für einige, bis Heilig Abend und so! Für andere, bis bald!
Dienstag, 16. Dezember 2008
Donnerstag, 4. Dezember 2008
Bad news.
Guten Tag. Ich werd mal die Nouvellen der letzten Wochen zusammenfassen. Alles in allem, um das Ergebnis mal vorwegzunehmen, könnte es besser laufen. Persönlich erstickt man gerade in Arbeit, diese Woche waren vorläufige Plädoyers zu halten, morgen ist eine Klausur zu schreiben (für die noch nichts getan wurde) und eine Hausarbeit abzugeben. Ziemlich ätzend, wenn sich das so aufsummiert.
Schwerer auf's Gemüt fällt die Tatsache, dass wir einen meiner besten Kumpels letztes Wochenende in die Notaufnahme bringen mussten, weil der unter massiven Psychosen leidet. Setzte alles recht plötzlich ein, zwei Wochen wirkte er ein bisschen gestresst, aber das traf freilich auch auf mich zu. Letzten Freitag holt er mich dann aus dem Schlaf und ich fahre ihn zu einer befreundeten Familie in die Stadt, Ängste bringen ihn im Wohnheim um den Schlaf. Er redet davon, irgendetwas herausfinden zu müssen und drückt mir einen Zettelstapel mit irritierendem bis verstörendem Wirrwarr in die Hand - den dürfte ich mit Freunden diskutieren, aber keinesfalls das Handy oder Internet zur Kommunikation nutzen. Nachdem sich eine ähnliche Begebenheit Samstag Nacht wiederholt, fahren wir ihn in die Notaufnahme. Als wir dort alles geregelt haben, ist es neun Uhr morgens und ich verspüre ein gewisses Bedürfnis, gleich dort zu bleiben.
Mittlerweile wurde er in eine psychiatrische Klinik verlegt. Normalerweise schlägt man die Zeit derartiger Aufenthalte mit Lesen tot. Die Tatsache, dass er alle Medien - Literatur, Musik, Film - mit denen er konfrontiert ist, sofort miteinander verknüpft, wahlweise in unterschiedliche Sprachen übersetzt und in seinen Wahn einer globalen Verschwörungstheorie einspinnt, macht den Aufenthalt dort für ihn nicht gerade unterhaltsamer. Die Tatsache, dass der Herr Literaur studiert, führt zu einem gewissen Konflikt mit der ersten Tatsache.
Die Sache geht natürlich auch an mir selbst nicht spurlos vorbei. Die letzte Woche ist echt das Übelste, was mir seit langem passiert ist und das Einzige, was mich aufbaut, ist die Aussicht, dass sie vorbeigeht.
Schwerer auf's Gemüt fällt die Tatsache, dass wir einen meiner besten Kumpels letztes Wochenende in die Notaufnahme bringen mussten, weil der unter massiven Psychosen leidet. Setzte alles recht plötzlich ein, zwei Wochen wirkte er ein bisschen gestresst, aber das traf freilich auch auf mich zu. Letzten Freitag holt er mich dann aus dem Schlaf und ich fahre ihn zu einer befreundeten Familie in die Stadt, Ängste bringen ihn im Wohnheim um den Schlaf. Er redet davon, irgendetwas herausfinden zu müssen und drückt mir einen Zettelstapel mit irritierendem bis verstörendem Wirrwarr in die Hand - den dürfte ich mit Freunden diskutieren, aber keinesfalls das Handy oder Internet zur Kommunikation nutzen. Nachdem sich eine ähnliche Begebenheit Samstag Nacht wiederholt, fahren wir ihn in die Notaufnahme. Als wir dort alles geregelt haben, ist es neun Uhr morgens und ich verspüre ein gewisses Bedürfnis, gleich dort zu bleiben.
Mittlerweile wurde er in eine psychiatrische Klinik verlegt. Normalerweise schlägt man die Zeit derartiger Aufenthalte mit Lesen tot. Die Tatsache, dass er alle Medien - Literatur, Musik, Film - mit denen er konfrontiert ist, sofort miteinander verknüpft, wahlweise in unterschiedliche Sprachen übersetzt und in seinen Wahn einer globalen Verschwörungstheorie einspinnt, macht den Aufenthalt dort für ihn nicht gerade unterhaltsamer. Die Tatsache, dass der Herr Literaur studiert, führt zu einem gewissen Konflikt mit der ersten Tatsache.
Die Sache geht natürlich auch an mir selbst nicht spurlos vorbei. Die letzte Woche ist echt das Übelste, was mir seit langem passiert ist und das Einzige, was mich aufbaut, ist die Aussicht, dass sie vorbeigeht.
Montag, 3. November 2008
Mein Wochenende.
Eines Morgens, es ist ein Samstag, mache ich mich guten Mutes auf zu einem kleinen Spaziergang in einen nahe gelegenen Park, daran denkend, wie wichtig gelegentliche Rekreation nach einer anstrengenden Woche für meine bekanntermaßen labile Psyche ist. Einige Sonnenstrahlen bahnen sich den Weg durch den zuletzt wolkenverhangenen Himmel, harmonisch zwitschern die verbliebenen Vögel. Und so. Doch irgendetwas ist anders als sonst.
...hmmm.
Richtig: da wo ich in den letzten Tagen mein Auto zu parken pflegte ist, nun ja, nichts (außer eben einer Parklücke, um dies präziserweise anzumerken).
Ratloses, ungläubiges Umschauen, verzweifeltes Durchforsten der Erinnerung. Greifbar nah die Situation, in der Professor von Mangoldt, seines Zeichens Organisator dieses Austausches, in Hinblick auf die Kriminalität hierzulande davon abriet, hier ein -noch dazu deutsches- Auto stehen zu lassen.
Ärgerlich. Also die zwei/drei stärksten Sinne zusammengesammelt, Laurent, Mitlieblingsnachbar aus La Réunion, Freund und stets zuverlässiger Ortskundiger, nach dem Weg zur Gendarmerie gefragt, rauf auf's Fahrrad und dem desinteressierten Beamten hinter dem Panzerglas meine Leiden vorgejault. Ein gelangweilter Telefonanruf, voilà: abgeschleppt. Die Dreckigen.
Zurück auf's Fahrrad und ab in die Heide. Hochverdächtigerweise können mir die einzigen beiden Passanten, die ich nach dem Weg frage, übertrieben präzise den Weg zur so genannten Kfz-Verwahrungsstelle beschreiben - selbstverständlich wittert man da eine Verschwörung, ich meine, wer weiß solche Dinge schon? Angekommen, geklingelt, automatisierter Zaun, der sich hinter mir schließt. Hier kommt keiner mehr raus. Jetzt bloß nicht in Ungnade fallen.
Da sitzt er schließlich selbstzufrieden auf seinem Sessel, der Missetäter, ebenfalls hinter Panzerglas - besser für ihn, denk ich mir. Er macht mir klar, dass andere Autos wegen mir nicht ausparken konnten, doch es kommt mir merkwürdig vor, dass denen das erst nach etwa einer Woche auffällt. Fünfunddreißig Euro ist der reguläre Tarif, aber da mein Auto in Deutschland angemeldet ist, macht man heute mal achtundneunzig draus. Ich wittere die wahre Motivation hinter der Geschichte, doch ich bleibe ruhig. Der Staatsstreich muss warten. Vorerst.
...hmmm.
Richtig: da wo ich in den letzten Tagen mein Auto zu parken pflegte ist, nun ja, nichts (außer eben einer Parklücke, um dies präziserweise anzumerken).
Ratloses, ungläubiges Umschauen, verzweifeltes Durchforsten der Erinnerung. Greifbar nah die Situation, in der Professor von Mangoldt, seines Zeichens Organisator dieses Austausches, in Hinblick auf die Kriminalität hierzulande davon abriet, hier ein -noch dazu deutsches- Auto stehen zu lassen.
Ärgerlich. Also die zwei/drei stärksten Sinne zusammengesammelt, Laurent, Mitlieblingsnachbar aus La Réunion, Freund und stets zuverlässiger Ortskundiger, nach dem Weg zur Gendarmerie gefragt, rauf auf's Fahrrad und dem desinteressierten Beamten hinter dem Panzerglas meine Leiden vorgejault. Ein gelangweilter Telefonanruf, voilà: abgeschleppt. Die Dreckigen.
Zurück auf's Fahrrad und ab in die Heide. Hochverdächtigerweise können mir die einzigen beiden Passanten, die ich nach dem Weg frage, übertrieben präzise den Weg zur so genannten Kfz-Verwahrungsstelle beschreiben - selbstverständlich wittert man da eine Verschwörung, ich meine, wer weiß solche Dinge schon? Angekommen, geklingelt, automatisierter Zaun, der sich hinter mir schließt. Hier kommt keiner mehr raus. Jetzt bloß nicht in Ungnade fallen.
Da sitzt er schließlich selbstzufrieden auf seinem Sessel, der Missetäter, ebenfalls hinter Panzerglas - besser für ihn, denk ich mir. Er macht mir klar, dass andere Autos wegen mir nicht ausparken konnten, doch es kommt mir merkwürdig vor, dass denen das erst nach etwa einer Woche auffällt. Fünfunddreißig Euro ist der reguläre Tarif, aber da mein Auto in Deutschland angemeldet ist, macht man heute mal achtundneunzig draus. Ich wittere die wahre Motivation hinter der Geschichte, doch ich bleibe ruhig. Der Staatsstreich muss warten. Vorerst.
Mittwoch, 29. Oktober 2008
Extrablatt.
Auf Nachfrage Ulf B.'s gibt’s eine Kurzinfo zu kulturellen Disparitäten zwischen Franzosen und Deutschen - und zu anderen Dingen, wie ich im Nachhinein feststellen muss.
Tatsächlich stechen einem diese nicht sofort ins Auge, es gibt lediglich gewisse Kleinigkeiten. Einige unsortierte Fakten: Franzosen kiffen deutlich mehr als der durchschnittliche Deutsche (nicht Wenige in jeder Vorlesungspause, Piece, "marokkanisch", d.h. mit einem Teil der Zigarette als Filter), jeder begrüßt jeden mit einem Küsschen (dafür bin ich eigentlich gar nicht zu haben, aber man fügt sich natürlich brav) und gemeinhin wird die Existenz von Schwazbrot geleugnet. Französische Küche im Allgemeinen: spitzenmäßig, kein Geheimnis. Kunst und Kultur: geht ab, hier in der Gegend haben neben den Römern unter anderem Impressionismus-Superstars wie Cézanne und van Gogh gewütet. Außerdem gibts in der Gegend hier Kolibris (na ja, jetzt wahrscheinlich nicht mehr, weil wie gesagt der Herbst auch Südfrankreich nicht verschont). Nicht unüblich oder gar unhöflich ist es weiter, etwa in einem Gespräch in der Disko klar die Absicht zu äußern, mit jemandem im Laufe des Abends den Geschlechtsakt vollziehen zu wollen.
Dass, was kritische Stimmen über den deutschen Ordnungssinn sagen, nämlich dass er vollkommen übertrieben ist und jede abstrakt-generelle Regelung immer und ohne Rücksicht auf den aktuellen Kontext nur ihrer selbst wegen angewandt wird, bestätigt sich auch aus dieser Perspektive deutlich. Menschen, die irgendeine Form von Autorität haben, sind tatsächlich logischen Argumenten zugänglich (je nach Alter reicht auch schonmal ein „Sei-mal-cool“), Autos stehen tagelang in irgendwelchen Halteverboten (etwa Verkehrsinseln sind hochfrequentiert). Auf der Schattenseite: Dinge funktionieren häufig einfach nicht, brauchen lange und niemand fühlt sich verantwortlich. So modert zum Beispiel auf unserem Flur seit Tagen eine übel riechende, braune Flüssigkeit aus der Wand in das Zimmer eines vermutlich verreisten Studenten. Das haben wir der Verwaltung und einem anwesenden Mechaniker erzählt, unsere Befürchtungen wurden aber jeweils nur mit einem Achselzucken quittiert. Ein anderes Beispiel findet sich in der Einstellung der Post, die Bewohnern unseres Heimes nicht nur keine Pakete zustellt, sondern ihnen auch nicht mitteilt, wenn irgendwelche Pakete angekommen sind.
Tja, ich fürchte man muss sich entscheiden: entweder alles funktioniert perfekt und ungechillt oder es funktioniert nicht alles, dafür schiebt die Welt ne ruhige Kugel. Ich denke, ihr wisst, auf wessen Seite ich stehe.
Tatsächlich stechen einem diese nicht sofort ins Auge, es gibt lediglich gewisse Kleinigkeiten. Einige unsortierte Fakten: Franzosen kiffen deutlich mehr als der durchschnittliche Deutsche (nicht Wenige in jeder Vorlesungspause, Piece, "marokkanisch", d.h. mit einem Teil der Zigarette als Filter), jeder begrüßt jeden mit einem Küsschen (dafür bin ich eigentlich gar nicht zu haben, aber man fügt sich natürlich brav) und gemeinhin wird die Existenz von Schwazbrot geleugnet. Französische Küche im Allgemeinen: spitzenmäßig, kein Geheimnis. Kunst und Kultur: geht ab, hier in der Gegend haben neben den Römern unter anderem Impressionismus-Superstars wie Cézanne und van Gogh gewütet. Außerdem gibts in der Gegend hier Kolibris (na ja, jetzt wahrscheinlich nicht mehr, weil wie gesagt der Herbst auch Südfrankreich nicht verschont). Nicht unüblich oder gar unhöflich ist es weiter, etwa in einem Gespräch in der Disko klar die Absicht zu äußern, mit jemandem im Laufe des Abends den Geschlechtsakt vollziehen zu wollen.
Dass, was kritische Stimmen über den deutschen Ordnungssinn sagen, nämlich dass er vollkommen übertrieben ist und jede abstrakt-generelle Regelung immer und ohne Rücksicht auf den aktuellen Kontext nur ihrer selbst wegen angewandt wird, bestätigt sich auch aus dieser Perspektive deutlich. Menschen, die irgendeine Form von Autorität haben, sind tatsächlich logischen Argumenten zugänglich (je nach Alter reicht auch schonmal ein „Sei-mal-cool“), Autos stehen tagelang in irgendwelchen Halteverboten (etwa Verkehrsinseln sind hochfrequentiert). Auf der Schattenseite: Dinge funktionieren häufig einfach nicht, brauchen lange und niemand fühlt sich verantwortlich. So modert zum Beispiel auf unserem Flur seit Tagen eine übel riechende, braune Flüssigkeit aus der Wand in das Zimmer eines vermutlich verreisten Studenten. Das haben wir der Verwaltung und einem anwesenden Mechaniker erzählt, unsere Befürchtungen wurden aber jeweils nur mit einem Achselzucken quittiert. Ein anderes Beispiel findet sich in der Einstellung der Post, die Bewohnern unseres Heimes nicht nur keine Pakete zustellt, sondern ihnen auch nicht mitteilt, wenn irgendwelche Pakete angekommen sind.
Tja, ich fürchte man muss sich entscheiden: entweder alles funktioniert perfekt und ungechillt oder es funktioniert nicht alles, dafür schiebt die Welt ne ruhige Kugel. Ich denke, ihr wisst, auf wessen Seite ich stehe.
Montag, 27. Oktober 2008
Die Sache läuft.
Leichte Wolken zeihen auf an dem bisher so unbeschwerten, klaren Himmel der Provence.
Der Virus geht um.
Einmal ist das wörtlich zu verstehen: Zur Empörung aller Beteiligten regnete es die ganze letzte Woche. Erkältungen grassieren, an jeder Ecke läuft man Gefahr, sich eine neue Infektion zu holen (wie aufm Kiez) – auch ich wurde nicht verschont von der Epidemie und gammelte dementsprechend nicht selten krank in meinem Zimmer vor mich hin. Zum Amüsement eines schwedischen Mädels, welches Anton letzte Woche besuchte, spricht man allgemein vom „Cuques-Virus“; der Laut „kük“ ist im Schwedischen offenkundig ein Ausdruck für Penis.
Arbeit, Arbeit.
Tja, ansonsten beginnt nach dieser Woche (offizielle Ferienzeit) die wohl stressigste Phase des Aufenthaltes hier. Grund dafür ist neben einer nicht zu unterschätzenden Anzahl an Vorlesungen einerseits der Start der „Travaux Dirigés“, also theoretisch so eine Art Fallbesprechung. Derer gibt es zwei, und mit ihnen kommen nervige Hausaufgaben und Referate.
Der Faktor Moot Court.
Andererseits, und seines Zeichens so wichtig, dass er eine eigene Überschrift verdient, startete letzte Woche mein Moot Court – also eine fiktive Gerichtsverhandlung (die es in den nächsten Monaten vorzubereiten gilt) unter realistischen Bedingungen. Klingt ganz nett so, ist aber in der Tat ein echt übler Haufen Arbeit. Der Fall ist noch nicht draußen, es wird aber um völkerrechtliche Konsequenzen des diesjährigen Konfliktes Georgien vs. Russland, Südossetien und Abchasien gehen. Da Vorlesungen im Völkerrecht gemeinhin recht abstrakt sind, ist die Gelegenheit nicht unwillkommen, es mal konkret auf einen Fall anzuwenden.
Weitere Ausflüge.
Jo, ansonsten waren in der letzten Zeit schon gelegentliche Ausflüge drin. Einmal waren wir beim Generalkonsul in Marseille eingeladen, der zu deutschem Bier und französischer Quiche ein bisschen über die Beziehungen beider Staaten und das Diplomaten-Dasein im Allgemeinen plauderte.
Außerdem ist man nach wie vor dabei, gewisse Erkundungen in der Gegend zu unternehmen. Zum Einen ist hier die Architektur bemerkenswert: konsequent wurden Kichen/Festungen und die mit ihnen entstehenden Dörfer wahrscheinlich zu Verteidigungszwecken einfach auf Berge und Hügel drauf gesetzt. Wie Gondor also, nur ohne die nervigen Nazghuls. Sehr nett alles in allem.


Ja, weiter sind wir vorgestoßen nach Rousillon, in den Rand eines Gebietes, welches als der „Wilde Westen Frankreichs“ bezeichnet wird, weil die rötlichen Steinformationen an Canyons in den USA erinnern. Das war echt mal ganz nett, dementsprechend wird die Region übermorgen wohl mal weiter erkundet.


Alles in allem wohl nicht soo die brandheißen News, aber ich kann auf jeden Fall verkünden, dass die ganze Sache recht rund läuft.
Lasst gern von euch hören, bis bald.
Der Virus geht um.
Einmal ist das wörtlich zu verstehen: Zur Empörung aller Beteiligten regnete es die ganze letzte Woche. Erkältungen grassieren, an jeder Ecke läuft man Gefahr, sich eine neue Infektion zu holen (wie aufm Kiez) – auch ich wurde nicht verschont von der Epidemie und gammelte dementsprechend nicht selten krank in meinem Zimmer vor mich hin. Zum Amüsement eines schwedischen Mädels, welches Anton letzte Woche besuchte, spricht man allgemein vom „Cuques-Virus“; der Laut „kük“ ist im Schwedischen offenkundig ein Ausdruck für Penis.
Arbeit, Arbeit.
Tja, ansonsten beginnt nach dieser Woche (offizielle Ferienzeit) die wohl stressigste Phase des Aufenthaltes hier. Grund dafür ist neben einer nicht zu unterschätzenden Anzahl an Vorlesungen einerseits der Start der „Travaux Dirigés“, also theoretisch so eine Art Fallbesprechung. Derer gibt es zwei, und mit ihnen kommen nervige Hausaufgaben und Referate.
Der Faktor Moot Court.
Andererseits, und seines Zeichens so wichtig, dass er eine eigene Überschrift verdient, startete letzte Woche mein Moot Court – also eine fiktive Gerichtsverhandlung (die es in den nächsten Monaten vorzubereiten gilt) unter realistischen Bedingungen. Klingt ganz nett so, ist aber in der Tat ein echt übler Haufen Arbeit. Der Fall ist noch nicht draußen, es wird aber um völkerrechtliche Konsequenzen des diesjährigen Konfliktes Georgien vs. Russland, Südossetien und Abchasien gehen. Da Vorlesungen im Völkerrecht gemeinhin recht abstrakt sind, ist die Gelegenheit nicht unwillkommen, es mal konkret auf einen Fall anzuwenden.
Weitere Ausflüge.
Jo, ansonsten waren in der letzten Zeit schon gelegentliche Ausflüge drin. Einmal waren wir beim Generalkonsul in Marseille eingeladen, der zu deutschem Bier und französischer Quiche ein bisschen über die Beziehungen beider Staaten und das Diplomaten-Dasein im Allgemeinen plauderte.
Außerdem ist man nach wie vor dabei, gewisse Erkundungen in der Gegend zu unternehmen. Zum Einen ist hier die Architektur bemerkenswert: konsequent wurden Kichen/Festungen und die mit ihnen entstehenden Dörfer wahrscheinlich zu Verteidigungszwecken einfach auf Berge und Hügel drauf gesetzt. Wie Gondor also, nur ohne die nervigen Nazghuls. Sehr nett alles in allem.


Ja, weiter sind wir vorgestoßen nach Rousillon, in den Rand eines Gebietes, welches als der „Wilde Westen Frankreichs“ bezeichnet wird, weil die rötlichen Steinformationen an Canyons in den USA erinnern. Das war echt mal ganz nett, dementsprechend wird die Region übermorgen wohl mal weiter erkundet.


Alles in allem wohl nicht soo die brandheißen News, aber ich kann auf jeden Fall verkünden, dass die ganze Sache recht rund läuft.
Lasst gern von euch hören, bis bald.
Donnerstag, 9. Oktober 2008
Erste Schritte
Guten Tag!
Ja, nach einigem Nachdenken kam die Erkenntnis, dass ein Blog wahrscheinlich die beste und bequemste Möglichkeit sei, Interessierte zu informieren, was so abgeht in Südfrankreich. Jo, dann leg ich mal los.
Ankunft.
"Hätte besser losgehen können", fasst meine ersten Annäherungsversuche mit Frankreich wohl ganz gut zusammen. Nun ist es allgemein bekannt, dass 10-stündige Autofahrten bereits ihrer Natur nach eine eher unvergnügliche Sache sind. Da muss man halt durch. Na ja, angekommen, ausgestiegen, skeptisch die wenig ansprechende Optik unseres Wohheimes diskutiert, jetzt nur noch schnell den Schlüssel entgegennehmen und chillen - dachte man, und reihte sich ein in die Schlange der Schlüsselvergabe.
Viereinhalb Stunden später durfte man dann ein kurzes Formular ausfüllen, neben der eigentlichen Kaution drei (!) Monatsmieten zahlen und den Schlüssel entgegennehmen. Trostlos dann der lange erwartete Anblick des Zimmers. Klein, dunkel und schäbig halt. Nun ist Trostlosigkeit so eine Sache, mit der man sich noch arrangieren kann. Unangenehmer fiel der Uringeruch ins Gewicht, der einigen höchstverdächtigen Flecken in dem Kleiderschrank entwich. Außerdem war/ist der Sanitärbereich, bestehend aus einem Waschbecken und einem nicht funktionierenden Bidet (welcher junge, gesunde Mensch, der wenig Platz in seinem Zimmer hat, freut sich nicht über den Luxus eines Bidets!) mit einer Art versteinerter Zahnpasta-Masse dekoriert, die ebenfalls nur sehr geringfügig zum Wohlbefinden beizutragen vermag.
Einleben.
Ja, aber wie zahlreiche menschenverachtende Experimente der 60er Jahre oder so bewiesen haben: man gewöhnt sich an alles. Sehr schnell sogar. Dementsprechend wurde kurzerhand ein chemisches Gemetzel abgehalten, Bakterien vernichtet, Gerüche bekämpft, umgeräumt, geputzt. Man kann sagen, dass ich alles in allem die Schlacht gegen das Ekelzeugs gewonnen habe, wenn man von bereits erwähnter versteinerter Zahnpastamasse absieht. Na ja, und so lässt sich resümieren, dass ich zwar in einem kleinen Pissloch wohne, ich kann aber immerhin mit Stolz verkünden, dass es sich dabei um "mein" Pissloch handelt.
Umschauen.
Nächster Schritt: Umgebung kennenlernen. Ich möchte jetzt nicht gleich einen ganzen Roman schreiben, deshalb fasse ich micht kurz: Die Provence ist sauschön. Angefangen haben wir damit, den Berg "St. Victoire" zu besteigen, denn von da oben kann man sich ein ganz gutes Bild von der Situation machen (die Bilder zeigen die gleiche Gebirgskette einmal von relativ weit unten, einmal von oben). War echt mal satt, an so nem Ding rumzukraxeln, auf dem Weg die ganze Zeit wildwachsenden Rosmarin zu futtern und sich den Mistral um die Ohren wehen zu lassen. Leider sind von unserer Crew nur 3/8 oben angekommen, da wir zwischenzeitlich vom vorgesehenen Weg abgekommen waren und einige echt üble Passagen hinter uns zu bringen hatten (wo einem etwa in die Felswand eingeschlagene Haken in der Retrospektive subtil die Botschaft übermittelten, dass man den zurückliegenden Abschnitt nicht ohne Seil hätte klettern sollen).
Ja, ansonsten ist halt die zweitgrößte Stadt Frankreichs, Marseille, direkt vor der Tür und wurde dementsprechend schon mehrfach besucht, darüber hinaus gibt es viele kleine sehenswerte Dinger hier, wie Arles (bereits besucht), Avignon oder Nîmes (beide noch zu besuchen).


People are strange when you're a stranger.
Ja, es ist schon richtig: Viele Franzosen reagieren mit einer gewissen Verblüffung, wenn sie mit Leuten wie mir der personalisierten Erkenntnis begegnen, dass es eine Welt außerhalb Frankreichs und somit Personen gibt, die ihrer Sprache nicht mächtig sind. Und so musste man in den ersten Tagen auf jeden Fall durch einige Kommunikationshindernisse. Wichtig ist dabei, zumindest immer ein solches Sprachniveau zu halten, dass der französische Gesprächspartner keine zu starke Neigung verspürt, mit einem Englisch zu sprechen - denn das geht auf jeden Fall schief.
Na ja, in dem universitären Umfeld und dem Wohnheim läuft der Hase allerdings ein bischen anders, weil man daran gewöhnt ist, mit Menschen aus allerlei Nationen rumzuhängen. Und so ließen sich hier schon so einige echt vielversprechende Bekanntschaften machen, auf die ich an anderer Stelle sicher mal ein bischen tiefer eingehen werde.
Ansonsten lernt man am Anfang von solchen Geschichten halt immer eine unüberschaubare Masse von Menschen kennen, insbesondere weil unsere hiesige Fakultät einen beachtlichen Haufen von Auslandsstudenten beherbergt. Jo, und wenn man sich halt nicht im Wohnheim auschillt, begibt man sich schon das ein oder andere Mal auf die Pirsch mit der Erasmus-Partyreisen-GmbH. Auch in diesem Umfeld sind so einige vielversprechende Leute anzutreffen.
Studium.
So, zuletzt noch einige Takte zum Studium. "Papageien-Jura", meinte David (einer der Leute aus Tübingen) heute. Und das geht so: der Dozent hat ein Skript und überliefert dies in mündlicher Form den Studenten, auf das diese jenes wieder in eine möglichst wortgenaue Kopie in Schriftform versetzen. Methoden, Lehrbücher, Gesetzestexte? Nicht vorhanden.
Na ja, der anfänglichen Rebellion (fight the machine!) folgt nunmehr langsam aber sicher die nüchterne Erkenntnis, dass einem als Auslandsstudent einfach die nötige Zeit, Motivation und Authorität fehlt, hier in nächster Zeit eine bildungspolitische Revolution anzuzetteln. Dementsprechend fügt man sich und baut eine Infrastruktur von verschiedenen Skriptschreibern auf, die sich gegenseitig unter die Arme greifen.
So, ich denke, das war für den Anfang echt mal genug. Liebe Grüße und bleibt tapfer.
PS.: Bilder hochladen ist momentan etwas zu lahm, ich mach das bei Gelegenheit mal an der Uni.
Ja, nach einigem Nachdenken kam die Erkenntnis, dass ein Blog wahrscheinlich die beste und bequemste Möglichkeit sei, Interessierte zu informieren, was so abgeht in Südfrankreich. Jo, dann leg ich mal los.
Ankunft.
"Hätte besser losgehen können", fasst meine ersten Annäherungsversuche mit Frankreich wohl ganz gut zusammen. Nun ist es allgemein bekannt, dass 10-stündige Autofahrten bereits ihrer Natur nach eine eher unvergnügliche Sache sind. Da muss man halt durch. Na ja, angekommen, ausgestiegen, skeptisch die wenig ansprechende Optik unseres Wohheimes diskutiert, jetzt nur noch schnell den Schlüssel entgegennehmen und chillen - dachte man, und reihte sich ein in die Schlange der Schlüsselvergabe.
Viereinhalb Stunden später durfte man dann ein kurzes Formular ausfüllen, neben der eigentlichen Kaution drei (!) Monatsmieten zahlen und den Schlüssel entgegennehmen. Trostlos dann der lange erwartete Anblick des Zimmers. Klein, dunkel und schäbig halt. Nun ist Trostlosigkeit so eine Sache, mit der man sich noch arrangieren kann. Unangenehmer fiel der Uringeruch ins Gewicht, der einigen höchstverdächtigen Flecken in dem Kleiderschrank entwich. Außerdem war/ist der Sanitärbereich, bestehend aus einem Waschbecken und einem nicht funktionierenden Bidet (welcher junge, gesunde Mensch, der wenig Platz in seinem Zimmer hat, freut sich nicht über den Luxus eines Bidets!) mit einer Art versteinerter Zahnpasta-Masse dekoriert, die ebenfalls nur sehr geringfügig zum Wohlbefinden beizutragen vermag.
Einleben.
Ja, aber wie zahlreiche menschenverachtende Experimente der 60er Jahre oder so bewiesen haben: man gewöhnt sich an alles. Sehr schnell sogar. Dementsprechend wurde kurzerhand ein chemisches Gemetzel abgehalten, Bakterien vernichtet, Gerüche bekämpft, umgeräumt, geputzt. Man kann sagen, dass ich alles in allem die Schlacht gegen das Ekelzeugs gewonnen habe, wenn man von bereits erwähnter versteinerter Zahnpastamasse absieht. Na ja, und so lässt sich resümieren, dass ich zwar in einem kleinen Pissloch wohne, ich kann aber immerhin mit Stolz verkünden, dass es sich dabei um "mein" Pissloch handelt.
Umschauen.
Nächster Schritt: Umgebung kennenlernen. Ich möchte jetzt nicht gleich einen ganzen Roman schreiben, deshalb fasse ich micht kurz: Die Provence ist sauschön. Angefangen haben wir damit, den Berg "St. Victoire" zu besteigen, denn von da oben kann man sich ein ganz gutes Bild von der Situation machen (die Bilder zeigen die gleiche Gebirgskette einmal von relativ weit unten, einmal von oben). War echt mal satt, an so nem Ding rumzukraxeln, auf dem Weg die ganze Zeit wildwachsenden Rosmarin zu futtern und sich den Mistral um die Ohren wehen zu lassen. Leider sind von unserer Crew nur 3/8 oben angekommen, da wir zwischenzeitlich vom vorgesehenen Weg abgekommen waren und einige echt üble Passagen hinter uns zu bringen hatten (wo einem etwa in die Felswand eingeschlagene Haken in der Retrospektive subtil die Botschaft übermittelten, dass man den zurückliegenden Abschnitt nicht ohne Seil hätte klettern sollen).
Ja, ansonsten ist halt die zweitgrößte Stadt Frankreichs, Marseille, direkt vor der Tür und wurde dementsprechend schon mehrfach besucht, darüber hinaus gibt es viele kleine sehenswerte Dinger hier, wie Arles (bereits besucht), Avignon oder Nîmes (beide noch zu besuchen).
People are strange when you're a stranger.
Ja, es ist schon richtig: Viele Franzosen reagieren mit einer gewissen Verblüffung, wenn sie mit Leuten wie mir der personalisierten Erkenntnis begegnen, dass es eine Welt außerhalb Frankreichs und somit Personen gibt, die ihrer Sprache nicht mächtig sind. Und so musste man in den ersten Tagen auf jeden Fall durch einige Kommunikationshindernisse. Wichtig ist dabei, zumindest immer ein solches Sprachniveau zu halten, dass der französische Gesprächspartner keine zu starke Neigung verspürt, mit einem Englisch zu sprechen - denn das geht auf jeden Fall schief.
Na ja, in dem universitären Umfeld und dem Wohnheim läuft der Hase allerdings ein bischen anders, weil man daran gewöhnt ist, mit Menschen aus allerlei Nationen rumzuhängen. Und so ließen sich hier schon so einige echt vielversprechende Bekanntschaften machen, auf die ich an anderer Stelle sicher mal ein bischen tiefer eingehen werde.
Ansonsten lernt man am Anfang von solchen Geschichten halt immer eine unüberschaubare Masse von Menschen kennen, insbesondere weil unsere hiesige Fakultät einen beachtlichen Haufen von Auslandsstudenten beherbergt. Jo, und wenn man sich halt nicht im Wohnheim auschillt, begibt man sich schon das ein oder andere Mal auf die Pirsch mit der Erasmus-Partyreisen-GmbH. Auch in diesem Umfeld sind so einige vielversprechende Leute anzutreffen.
Studium.
So, zuletzt noch einige Takte zum Studium. "Papageien-Jura", meinte David (einer der Leute aus Tübingen) heute. Und das geht so: der Dozent hat ein Skript und überliefert dies in mündlicher Form den Studenten, auf das diese jenes wieder in eine möglichst wortgenaue Kopie in Schriftform versetzen. Methoden, Lehrbücher, Gesetzestexte? Nicht vorhanden.
Na ja, der anfänglichen Rebellion (fight the machine!) folgt nunmehr langsam aber sicher die nüchterne Erkenntnis, dass einem als Auslandsstudent einfach die nötige Zeit, Motivation und Authorität fehlt, hier in nächster Zeit eine bildungspolitische Revolution anzuzetteln. Dementsprechend fügt man sich und baut eine Infrastruktur von verschiedenen Skriptschreibern auf, die sich gegenseitig unter die Arme greifen.
So, ich denke, das war für den Anfang echt mal genug. Liebe Grüße und bleibt tapfer.
PS.: Bilder hochladen ist momentan etwas zu lahm, ich mach das bei Gelegenheit mal an der Uni.
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